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Psychologische
Lebensberatung
Dipl.-Päd. Jürgen
Bendszus, HP
für Psychotherapie
Imaginationen in der Psychotherapie – Heilender Umgang mit
inneren Bildern
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Hier erfahren Sie: Was
Imaginationen sind und wie wir durch sie mehr
Selbsterkenntnis, Selbstwertgefühl, mehr Lebensglück,
Gesundheit und
Sinn im Leben erreichen.
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Von der Macht und
Bedeutung innerer Bilder |
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Imaginationen als Fenster zur inneren
Welt des Unbewussten |
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Imaginationen als Wege zur Bewältigung
von Beziehungsproblemen, Ängsten und seelischen
Schwierigkeiten |
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Begegnung mit den heilenden Kräften
der inneren Welt |
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Aktive Imagination nach C. G. Jung |
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Wertorientierte Imagination in der
Logotherapie
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Visualisation/Imagination in
Psychotherapy |
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1. Was sind Imaginationen?
Imaginationen sind innere Bilder,
Phantasien und Vorstellungen, die in unserer Seele ablaufen.
Mit dem Begriff Imagination bezeichnen wir zugleich eine
therapeutische Methode. Das
Wort Imagination stammt aus dem Lateinischen: Imago bedeutet
„das Bild“. Beispiel: Ein Lehrling steht vor der
theoretischen Abschlussprüfung und entwickelt Tage zuvor Prüfungsängste.
In seinen Phantasien sieht er immer wieder einen dunklen Raum,
in dem er vor der Prüfungskommission steht. Die Prüfer sieht
er als unfreundliche, drohende Gestalten. Eine andere
Imagination: Eine Büroangestellte langweilt sich bei der
Arbeit. Immer wieder drängen sich ihr Phantasien vom
bevorstehenden Urlaub auf: Sie sieht einen weiten, gelben
Strand am Meer, sie riecht den salzigen Gehalt des Wassers.
Sie spürt auf ihrer Haut eine sanfte Windbrise. Ihre Kinder
spielen neben ihr im blauen Wasser, weiße Seevögel umkreisen
sie, sie fühlt sich frei und entspannt mit ihrem Mann, der
neben ihr liegt.
Diese Beispiele zeigen: Innere Bilder und
Phantasien, also Imaginationen, sind ein natürliches
Phänomen im Lebensalltag. Es gibt schädliche
Imaginationen, als Ausdruck von innerem Unwohlsein und von Ängsten.
Es gibt Imaginationen, die Ausdruck unserer Sehnsüchte sind
und mit Gefühlen von Wohlbefinden und Freiheit verbunden
sind.
Die Bilder unserer Imaginationen sind
verwandt mit den in unseren Nachtträumen erlebten Bildern. Sie sind vielfach
Ausdruck unserer Konflikte, Ängste und Probleme, aber auch
Sehnsüchte. Sowohl
Traumbilder und Traum-Symbole wie auch Imaginationsbilder müssen
häufig entschlüsselt werden, um ihre Bedeutung zu verstehen.
Imaginationen sind jedoch dem bewussten Erleben näher als Träume.
Damit bietet sich die Möglichkeit, sich bewusst mit ihnen
auseinander zu setzen. Diese Möglichkeit kann in der
Psychotherapie genutzt werden.
Wann hilft die Arbeit mit
Imaginationen als psychotherapeutische Methode? Imaginationen in der Therapie können benutzt werden, um
anstehende Probleme zu lösen, zum Beispiel
Beziehungsprobleme. Zum Beispiel könnte in der bildhaften
Vorstellung der Ablauf eines bevorstehenden Konfliktes mit
einem Vorgesetzten visualisiert
werden. Der Klient/ die Klientin könnte sich verschiedene Lösungen
bildlich vorstellen und könnte in der Vorstellung üben, die beste Lösung
zu verwirklichen. (Probehandeln in der Vorstellung) In der
therapeutischen Fachsprache würden diese inneren Bilder eher Visualisierungen
genannt, die von unserem bewussten Ich kontrolliert werden.
Es gibt andere Typen inneren Bildern, von
Imaginationen, die aus den Tiefen unseres Unbewussten heraus
entstehen und vom Ich weniger kontrollierbar sind. Sie
entstammen im Sinne der Tiefenpsychologie Carl G. Jungs und
Verena Kasts den Energiezentren unserer tieferen Emotionen,
unbearbeiteter Konflikte, Komplexe und unverarbeiteter
Verletzungen der Vergangenheit. Therapeutisch begleitete
Imaginationen helfen, dass sich die Klienten mit diesen
häufig verdrängten negativen Kräften auseinandersetzen und
sie verarbeiten können. Denn wenn diese negativen Kräfte
bildhafte Gestalt gewinnen, ist die Auseinandersetzung mit
ihnen möglich, und sie können verändert oder sogar
vernichtet werden. Diese negativen Kräfte können zum
Beispiel die verinnerlichten Stimmen und Bilder von
Bezugspersonen sein, die in unserer Kindheit Schaden
angerichtet haben. Stellen wir uns einen jungen Mann vor,
der unter einem geringen Selbstwertgefühl und ständigen
Selbstabwertungen leidet. Er weiß noch nicht, dass seine
Probleme daher kommen, dass er als ein unerwünschtes Kind
geboren wurde. Er hat es verdrängt, dass ihn seine Mutter
häufig abwertete, tadelte und ihm die Schuld an ihrem eigenen
misslungenen Leben gab. Imaginationen können ihm bildhaft
zeigen, woher seine negativen Stimmungen kommen. Sie können
ihn in die verdrängten Szenen der Vergangenheit führen. Nun hat der
junge Mann die Chance, sich mit seiner verinnerlichten
destruktiven Mutterbeziehung auseinanderzusetzen. Er kann dem
vernachlässigten inneren Kind begegnen. Er kann auch neue,
selbstheilende innere Bilder und Kräfte kennen lernen. Unter
Punkt 3 ist weiter unten ein Beispiel für eine therapeutisch
gesteuerte Imagination aufgeführt, die heilsame Wirkungen
für Menschen mit zu geringer Selbstannahme und zu geringem
Selbstwertgefühl hat.
Aus Sicht der Logotherapie
liegt hinter dieser unbewussten Schicht der ungelösten
Konflikte und Probleme eine noch tiefere Schicht: Es ist der
Raum des geistig Unbewussten, Ort der Selbstheilungskräfte,
Raum der Freiheit, der Hoffnung, der Liebe und der Spiritualität.
Imaginationen können als „innere Wanderungen“ in diese
tiefste Schicht der Person (geistige Tiefenperson nach Viktor
Frankl) führen und in einer Kette von Imaginationen neue
heilende, tröstende und Hoffnung gebende Bilder hervorrufen.
(Beispiele weiter unten!) Aus dieser tiefen Schicht können
auch Visionen für die Zukunft entstehen, die unserem Leben
neuen Antrieb und Sinn geben. Diese Imaginationen in die und aus
den geistigen Tiefenschichten heraus hat der Logotherapeut Uwe
Böschemeyer erforscht und sie Wertorientierte
Imaginationen genannt.
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2. Praxis und Methodik der Arbeit mit
Imaginationen
Imaginationsübungen können einzeln oder
in kleinen Gruppen praktiziert werden. Sie sollten anfangs
immer von einer psychotherapeutisch geschulten Fachkraft
begleitet werden. Dann können sie später auch allein zum
Beispiel mit Hilfe einer CD praktiziert werden.
a. Imaginationsübungen beginnen immer
mit einer kurzen Entspannungsübung.
Häufig spüren die Klienten am Anfang die Unruhe ihrer
Gedanken. Sie müssen sich zunächst - zum Beispiel durch eine
Atementspannung - vom Stress des Alltags befreien: Therapeut:
„Schließen Sie die Augen! Spüren Sie, wie es in Ihnen
atmet! Nehmen Sie fünf tiefe Atemzüge. Dann lassen Sie nun
ihren Atem frei, so dass es ganz von selbst in Ihnen atmet
usw.... „
Auch sogenannte Achtsamkeitsübungen
dienen in dieser Phase der Entspannung. Ebenso kann eine
ruhige, langsame Musik entspannende Wirkungen haben.
b. In der zweiten Phase kann der
Therapeut dem Klienten durch Nennung von Einstiegssymbolen
helfen, die Wanderung in die innere Welt anzutreten. Es kommt
darauf, die Wahrnehmung der äußeren Welt mehr und mehr zu
vermindern und sich auf den Fluss der inneren Bilder zu
konzentrieren.
Einstiegssymbole lösen Assoziationen und Imaginationen aus,
die mehr der eigenen persönlichen inneren Welt entstammen.
Wichtige Einstiegsmotive und Symbole sind: Motiv „Haus“
- Hilfe des/der Therapeuten/Therapeutin: „Stellen Sie sich
das Haus Ihrer Kindheit vor ... Gehen Sie um dieses Haus
herum.... Treffen Sie jemand? ... usw. „
Das Haus ist ein „Stimulus“, ein Reiz von großer
Dichte. Es ist ein Symbol für den Raum unserer Persönlichkeit,
es kann weitere Assoziationen und Imaginationen auslösen, die
zu tieferen Problemen oder Sehnsüchten führen.
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Motiv „Baum“
- Hilfe des Therapeuten: „Stellen Sie sich einen oder
mehrere Bäume vor ... In welcher Umgebung steht der Baum? Wie
ist das Wetter? ...Können Sie den Baum riechen? ...“
Imaginationen zum Baum drücken unseren gefühlten Standort in
der Welt aus: Hat der Baum starke Wurzeln, spiegelt dieses
unser persönliches Verwurzelt-Sein wider. Steht der Baum ganz
allein, kann dieses gefühlte Einsamkeit ausdrücken. Ein
imaginierter Baum kann blühen oder ohne Blätter sein und uns
zu unserer Lebensgrundstimmung führen. Werden wir mit unserer
inneren Leere (blätterloser Baum) konfrontiert, ist das
therapeutische Nachgespräch von großer Wichtigkeit, damit
wir nicht in einer depressiven Stimmung hängen bleiben!
Imaginieren wir in einer Lebenskrise einen starken Baum mit
tiefen Wurzeln, kann dieses in positivem Sinne bedeuten, dass wir nicht zu
verzweifeln brauchen, weil wir in der Tiefe der Persönlichkeit
verwurzelt sind und die Krise uns wegen unserer Wurzeln nicht
umwerfen wird. |
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Motiv „Wasser“
– Hilfe der Therapeutin: „Stellen Sie sich Wasser vor.
... Wenn das Wasser bewegt ist, folgen sie seinem Laufe. ...
Wie sieht die Umgebung aus, durch die das Wasser fließt? Ist
das Wasser ruhig oder bewegt?... usw. „ Wasserbilder drücken
aus, ob wir innerlich lebendig sind, oder ob etwas innerlich
blockiert ist. In einer Therapie imaginierte ein depressiver
Mann einen Fluss. Der Fluss war sehr kalt. An einer Stelle
versperrte ein Berg den Lauf des Flusses. Der Fluss war in
einer Schlucht eingezwängt und musste rückwärts fließen.
Dieser Mann stand ganz am Anfang der Therapie und spürte nun
die Enge und Blockaden in seiner Person. So kalt und eingeengt
wie er in der Imagination den Fluss erlebte, so fühlte er sich auch im wirklichen
Leben. Das Leben lag wie ein Berg vor ihm. Seine depressive
Stimmung war durch eine Frühpensionierung ausgelöst worden.
(Nach V. Kast, Seite 153 ff. , Literatur siehe unten!)
Weitere Einstiegssymbole können sein: ein Brunnen – der Eingang in eine Höhle – eine tief in
die innere Welt führende Treppe ...
Träume
und Traumfetzen als Einstiegssymbole – Eine Frau träumte
von einer Katze, die auf dem Herd ihrer Großmutter saß. Die
Katze starrte sie an und machte ihr Angst. Dann wachte sie
auf. Um die tiefere Bedeutung dieses Angsttraumes zu
verstehen, ließ sich die Frau zusammen mit ihrer Therapeutin
auf eine Imaginationssitzung ein. In ihrer Imagination sah sie
einen Raum, der sie an ihre Kindheit erinnerte. Es war die
alte Küche ihrer Großmutter. Auch in der Imagination traf sie
die Katze wieder, die groß und bedrohlich war. Die Klientin
sah sich selbst als fünfjähriges Kind und war von wilden Augen
der Katze beeindruckt.
Die Therapeutin fragte: „Was würde die Katze Ihnen sagen,
wenn sie sprechen könnte?“ Die Klientin: „Die Katze sagt:
Dieser Platz auf dem Herd gehört mir.“ Nach Abschluss einer längeren
Imaginationskette ergab das therapeutische Gespräch: Die
Schwester der Klienten war früher in der Familie das Kätzchen.
Dieses konnte lieb und anschmiegsam sein. Aber beide
Schwestern rivalisierten um den besten Platz bei der Großmutter
und dann wurde aus dem schmusenden Kätzchen eine fauchende,
kratzende, aggressive Katze. Diese angstmachende
"Schwester-Katze" der Kindheit verfolgte die
Klientin bis in ihre Träume. (vgl. V. Kast, Seite 127 ff.!)
– Imaginationen können also Träume verständlich machen,
Vergessenes in die Erinnerung rufen und die Bedeutung des
Trauminhaltes erschließen. Unverarbeitete Konflikte aus der
Kindheit können erkannt und verarbeitet werden.
c. Eine Imagination kann bis zu 40
Minuten dauern. In dieser Zeit können eine ganze Reihe von
inneren Bildern gesehen werden. Der Imaginand (Klient) teilt
dem Therapeuten/der Therapeutin mit, was er/sie sieht.
Verschiedene Sinnesorgane wie auch der Geruch, das Gehör, das
Fühlen können angesprochen sein, wenngleich das innere Sehen
von größter Bedeutung ist. Es kann aber auch sein, dass ein
Imaginierender von einer wunderbaren inneren Musik fasziniert
ist. Der/die
Therapeutin begleitet die Imaginandin bzw. den Imaginanden
und gibt während der Imagination Hilfen. Ist zum Beispiel der
Imaginand in einer Sackgasse geraten und bleibt bei einem
inneren Bild stehen, hilft der therapeutische Begleiter, die
Bilder wieder in Fluss zu bringen. Der Therapeut achtet
darauf, dass die Imaginandin nicht durch innere Bilder, die
ängstigen können, übermäßig emotional belastet
wird.
d. Nach Abschluss der Imagination
gibt es das verarbeitende therapeutische Gespräch. Der
Sinngehalt der Imagination muss herausgearbeitet werden.
Gefragt wird, welche Bedeutung die Imagination für das Leben
des Klienten hat.
3. Therapeutisch
hochstrukturierte Imaginationen
Therapeuten arbeiten ganz unterschiedlich
mit Imaginationen im Rahmen der Therapie. Sie unterscheiden
sich besonders hinsichtlich des Grades, indem sie die
Imaginationen ihrer Klienten steuern, strukturieren und
beeinflussen. An dieser Stelle werden stärker gesteuerte und
vorstrukturierte Imaginationen vorgestellt. Davon ist die eher
wenig steuernde Imaginationsarbeit zu unterscheiden, die dem
Unbewussten des Klienten viel Freiheit lässt. Zu diesem
letzteren Imaginationstyp zählen die Wertorientierten
Imaginationen nach Uwe Böschemeyer.
Die Ärztin und Psychoanalytikerin Luise
Reddemann hat in ihrem Buch "Imagination als heilsame
Kraft" gezeigt, welche therapeutischen
Möglichkeiten es mit hochstrukturierten und gesteuerten
Imaginationen gibt. Diese Imaginationen werden bei ihr in der
Therapie mit traumatisierten Patienten angewendet (Diese
leiden - in der Fachsprache - an "posttraumatischen
Belastungsstörungen"). In ihren Traumatherapien
behandelt sie auch Opfer sexueller Gewalt, besonders Frauen.
Ihre Imaginationen sind ein therapeutisches Element im Rahmen
einer umfassenden klinischen Psychotherapie. Diese
Imaginationsübungen können aber auch außerhalb der
klinischen Therapie bei weniger dramatischen Problemen
angewendet werden.
Menschen mit einem zu geringen
Selbstwertgefühl könnten zum Beispiel von der folgenden
Imagination profitieren, die von Luise Reddemann entwickelt
wurde:
Auszug einer einer Imaginationsübung:
Stellen Sie sich zunächst in Ihrem Herzen ein Licht vor,
das es wärmt und hell macht ... Und lassen Sie dieses Licht
in jeden Winkel Ihres Herzens kommen, damit das ganze Herz
hell und warm wird .... |
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Und dann stellen Sie sich vor, dass
diese Wärme und Helligkeit aus dem Herzen sich im ganzen
Brustraum ausdehnt und sich von dort weiter ausbreitet in den
ganzen Körper, so dass der Körper erfüllt ist von der
Wärme und Helligkeit des Herzens ... Und jetzt lassen sie
dieses Licht aus Ihrem Herzen durch die Fußsohlen austreten,
so dass sich nach und nach ein Lichtkreis um Sie herum
ausbildet. ... Und nun laden Sie die Person, die Sie vor zehn
Jahren waren, in diesen Lichtkreis ein und geben ihr dann die
Wärme und Helligkeit aus Ihrem Herzen, so dass dieses
frühere Ich hell und warm wird .... Und dann laden Sie das
kleine Kind, das Sie zwischen ein und vier Jahren waren, in
den Lichtkreis ein. und geben Sie ihm die Wärme und das Licht
aus Ihrem Herzen ... (ein weiterer Teil dieser Imagination
wird hier übergangen)
... Der Abschluss der
Imaginationsanweisung lautet: ... Und dann bekräftigen Sie
für sich: Ich bin voll Wärme und Mitgefühl für mich selbst
und ich vertraue darauf, dass mir diese Fähigkeit immer zur
Verfügung steht, wenn ich will ... |
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(Die komplette Übung
ist von L. Reddemann auf Seite 56/57 aufgeführt. Literatur
siehe unten!)
Imaginationen dienen auch dazu,
verstandesmäßige, kognitive Einsichten erlebbar und fühlbar
zu machen. Beispiel: Ein Klient leidet an zu geringer
Selbstannahme, an zu geringem Selbstwertgefühl. In seinem „Kopf“,
in seinem Denken weiß er, dass er genauso viel wie andere
Menschen wert ist. Dieser Erkenntnis kann sein Gefühl jedoch
keinen Glauben schenken. Wie kann er dazu kommen, dass er tief
in seinem „Herzen“ fühlt, dass er ein wertvoller Mensch
ist? Hilfreich kann hier die Arbeit mit Imaginationen sein, um
ihn in seiner inneren Welt die Begegnung mit inneren Bildern
zu ermöglichen, die ihn Selbstannahme fühlen
lassen.
Im Rahmen einer Psychotherapie -
besonders in der Traumatherapie - kann es zu schmerzhaften
Begegnungen mit belastenden Erfahrungen kommen. Nach Luise
Reddemann dienen Imaginationen am Anfang der Therapie auch dazu, vor diesen
Begegnungen eine genügende emotionale Stabilität und innere
Sicherheit bei den Patienten aufzubauen. Hierzu dienen
besonders die Übungen des inneren sicheren Ortes und des
inneren Helfers.
Zum inneren sicheren Ort (Auszug aus
der Imaginationsübung):
Lassen Sie
Gedanken oder Vorstellungen oder Bilder aufsteigen von einem
Ort, an dem Sie sich ganz wohl und geborgen fühlen. Und geben
Sie diesem Ort eine Begrenzung Ihrer Wahl, die so beschaffen
ist, dass nur Sie bestimmen können, welche Lebewesen an
diesem Ort, Ihrem Ort, sein sollen, sein dürfen. Sie können
natürlich Lebewesen, die Sie gern an diesem Ort haben
wollen, einladen. Wenn möglich, rate ich Ihnen, keine
Menschen einzuladen, aber vielleicht liebevoller Begleiter und
Helfer, Wesen, die Ihnen Unterstützung und Liebe geben.
Prüfen Sie, ob Sie sich dort mit allen Ihren Sinnen wohl
fühlen. Prüfen Sie zuerst, ob das, was Ihre Augen
wahrnehmen, angenehm ist für Ihre Augen. Wenn es noch etwas
gibt, was Ihnen nicht gefällt, dann verändern Sie es ....
Ist die Temperatur angenehm? .... Sind die Gerüche, die Sie
wahrnehmen, angenehm? ....
Auch außerhalb des Rahmens der Klinik
und Psychotherapie können solche hier nur in Bruchstücken
und unvollständig vorgestellten Übungen helfen, Stress
abzubauen und ein psychophysisches Gleichgewicht herzustellen.
In vielen Gesundheitskursen zum Beispiel an Volkshochschulen
werden diese Übungen ganz selbstverständlich eingesetzt.
4. Aktive Imagination nach Carl G.
Jung und Verena Kast
Einer der Väter der Tiefenpsychologe, C. G. Jung, fragte
als erster, wie es zu einem Dialog des Unbewussten mit dem
Bewussten kommen könnte, um das Wachstum der Persönlichkeit,
das heißt die Individuation zu fördern. Er forderte dazu auf, sich
dem Fluss innerer Bilder und Fantasien zu überlassen:
"Betrachten Sie das Bild und beobachten Sie genau, wie es
sich zu entfalten und zu verändern beginnt .... tun Sie
einfach nichts, als beobachten, welche Wandlungen spontan
eintreten ... Kommt eine Figur und spricht, dann sagen auch
Sie, was Sie zu sagen haben. Auf diese Weise können Sie nicht
nur Ihr Unbewusstes analysieren, sondern Sie geben dem
Unbewussten die Chance, Sie zu analysieren." (nach V.
Kast, S. 188/189) Verena Kast hebt als zentrales Merkmal der
Aktiven Imagination hervor, dass trotz des Loslassens, des
Fließen-Lassens der inneren Bilder dennoch die
Kontrollfähigkeit des bewussten Ich nicht aufgegeben wird.
Anders als im Nachttraum gibt das bewusste Ich in der Aktiven
Imagination die Kontrolle nicht auf. In der
Imaginationssitzung unterstützt und berät der Therapeut
dieses bewusste Ich des Klienten, indem er durch behutsame Impulse,
Anregungen und offene Fragen eingreift. Die aus dem Unwussten
auftretenden Bilder bleiben nicht ungesteuert. Bewusstsein und
das Unbewusste kommunizieren miteinander.
Die Aktive Imagination im Rahmen der
Psychotherapie unterscheidet sich von unseren Imaginationen,
die wir im Alltag erleben. Manche Menschen, die an starken
Ängsten leiden, werden im Alltag von angstmachenden oder
zwanghaften Phantasien bedrängt, ohne dass sie sich
gegenüber dieser Macht ihrer inneren Fantasien genügend
wehren können. Dagegen ist es gerade das Ziel der Aktiven
Imagination in der Therapie, dass die Herrschaft und
Souveränität gegenüber quälenden Gedanken und Bildern gewonnen wird, indem die Klienten ihnen begegnen und lernen,
mit ihnen umzugehen. Eine Frau erlebte zum Beispiel in ihren
Fantasien eine Gestalt, die wie ein Richter aussah. Diese
Gestalt machte ihr ständig Vorwürfe, was sie alles im Leben
falsch gemacht habe. Die innere Gestalt sagte ihr: "Du
hast Dein Leben verpfuscht!" In der Therapie ging es
darum, sich mit dieser destruktiven inneren Gestalt, die ihr
Selbstwertgefühl beeinträchtigte, durch Aktive Imagination
kritisch auseinanderzusetzen. Das therapeutische Ziel war, die
Klientin durch Aufbau einer kritischen Bewusstseinshaltung von
ihrem selbstzerstörerischen Autoritätskomplex zu befreien.
(Vgl. V. Kast, S. 191 ff.!)
5. Wertorientierte Imagination nach U.
Böschemeyer
Der Logotherapeut und Theologe Dr. Uwe
Böschemeyer hat methodisch viel von der Aktiven Imagination
übernommen. Er geht jedoch von dem Menschenbild der Logotherapie
aus, was den Charakter seiner Arbeit mit Imaginationen
wesentlich verändert. Böschemeyer vertraut darauf, dass in
der Tiefe der Person hinter der Schicht der Ängste, Komplexe
und Konflikte ein noch tiefer liegender Raum der heilenden
Kräfte liegt. In den Wertorientierten Imaginationen gewinnen
diese heilenden Kräfte bildhafte Gestalt
und führen zu beeindruckenden emotionalen Erfahrungen der
Freiheit, des Angenommen- und Geliebtwerdens und des
Lebenssinns. Nicht selten entdecken Klienten hierbei ihre
verborgene Spiritualität und ihren verlorengegangenen
religiösen Glauben. Diese Erfahrungen sind von außen
nur schwer in Worte zu fassen, diese Imaginationen müssen
persönlich erlebt werden!
In therapeutischen Gesprächen werden
zunächst die Lebensthemen des Klienten herausgearbeitet, die
seiner persönlichen Situation entsprechen. Innere Blockaden
und Sinnfindungsbarrieren werden identifiziert. Eine Begegnung
mit den heilenden Kräften und Gestalten in der Imagination
ist oft erst dann möglich, wenn die hinderlichen Strukturen -
durch Gespräche und auch wieder durch Imagination - genügend
bearbeitet wurden.
Wertorientierte Imaginationen sind
zielorientiert. Vor jeder Imagination wird das Ziel der
Imagination, der "inneren Wanderung" benannt. Es
gibt problemorientierte auf der einen und wertorientierte
Imaginationsthemen und Ziele auf der anderen Seite.
Böschemeyer kennt ca. 400 Imaginationsziele, zum
Beispiel:
Problemorientierte Imaginationsziele:
die verborgenen Ängste - Ort der unbewussten Konflikte - Ort
der Selbstablehnung - Aggression und Selbstaggression - der
innere Gegenspieler - Ort der Depression - der innere
Staatsanwalt - das verletzte innere Kind - Ort der
Hoffnungslosigkeit - der innere Druck - die unbekannten
Fesseln ... und viele mehr ...
Wertorientierte Imaginationsziele
können z. B. sein:
Ort der tieferen Liebe (bei
Beziehungsproblemen) - Glut unter der Asche - das
Selbstvertrauen - das unverletzte innere Kind - zur Freiheit -
zum inneren Schwert - zum Stehvermögen - zum inneren
Verbündeten - zur sicheren Insel - zum Ort des
Geliebtwerdens - zum inneren Zentrum - zur heilenden Quelle
... und viele mehr ...
Fallbeispiel: Ein Mann hatte
seine Frau wegen einer anderen verlassen. Dennoch konnte er
seine verlassene Partnerin nicht wirklich loslassen. Viele
Gründe sprachen gegen die vergangene Beziehung, dennoch hielt
ihn ein unklares Gefühl in der alten Beziehung fest. Nach
vielen Gesprächen ließ er sich auf eine Imagination ein. Der
Therapeut bat ihn, das innere Bild seiner Frau kommen zu
lassen. Der Imaginierende sah seine Partnerin als inneres Bild
wieder. Er erlebte Wehmut und Schuldgefühle, sie verlassen zu
haben. Dann wurde er von den Augen seiner früheren Frau
angezogen. Er spürte tief die Wärme dieser Augen. Und dann
spürte er: "Meine Frau liebt mich immer noch" Und
er fühlte: "Auch ich selbst liebe meine Frau immer
noch". - Eine weitere Imagination hatte als Ziel den
"Ort der tieferen Liebe". In dieser inneren
Wanderung begegnete derselbe Mann zunächst seiner
gegenwärtigen Geliebten im Tanz. In diesem Tanz ließ er sich
verzaubern von der Schönheit der Geliebten. Doch dann
überfiel ihn ein Gefühl der Fremdheit. In einer weiteren
Szene innerhalb dieser Imagination befand er sich in einem
tieferen, sonnendurchfluteten Raum. In diesem lichtvollen Raum
begegnete er seiner Frau erneut. Während sich beide die
Hände reichten, durchströmte ihn ein Glücksgefühl. Nun
wusste er ganz sicher, dass sein Leben nicht mit der
Geliebten, sondern nur mit seiner Frau eine glückliche
Zukunft haben konnte. (nach U.
Böschemeyer)
Noch einmal: Diese kurze Beschreibungen und
nur in Fetzen wiedergegebene Imaginationen im Internet reichen
nicht aus, die tiefgreifenden Erfahrungen wiederzugeben, die
durch Imaginationen möglich sind. Daher: Am
besten sind Ihre eigenen Imaginationen geeignet, diese
Erfahrungen nachzuvollziehen und ihre Lebensprobleme zu
bewältigen. In der Volkshochschule Osnabrück bieten wir auch
außerhalb des therapeutischen Rahmens Imaginationsseminare
für alle Interessierten zum Einstieg an! Siehe die
Website Seminare !
6. Wann helfen Imaginationen?
(Indikationsbereich)
Sie sind hilfreich für alle Menschen,
die ihre Persönlichkeit weiterentwickeln und mehr Zugang zu
ihrem Gefühlsbereich und zu den Tiefenschichten ihrer Person
finden wollen.
Sie sind ein Mittel der
Gesundheitsvorsorge und dienen der Stressbewältigung.
Sie helfen bei Beziehungsschwierigkeiten,
sei es bei der Arbeit oder privat.
Sie sind hilfreich bei Problemen mit dem
Selbstwertgefühl oder bei übermäßigen Ängsten und bei
Depressionen.
Sie helfen, wenn Menschen in eine
Lebenskrise geraten sind und nach mehr Sinn im Leben
fragen.
Sie unterstützen die Traumatherapie z.
B. bei schweren Schicksalsschlägen und bei Erfahrungen von
sexuellem Missbrauch.
Sie können im klinischen Rahmen
medizinische Maßnahmen bei chronischen körperlichen
Erkrankungen ergänzen. Imaginationen können zum Beispiel zur
Unterstützung der Behandlung von Krebs eingesetzt
werden. Weltbekannt sind in diesem Zusammenhang die
Visualisierungs-Methoden von Carl und Stefanie Simonton.
Literaturempfehlungen zur Vertiefung:
Verena Kast: Imagination als Raum der
Freiheit. Dialog zwischen Ich und Unbewußtem
Uwe Böschemeyer: Wertorientierte
Imagination in Theorie und Praxis
Luise Reddemann: Imagination als heilsame
Kraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit
ressourcenorientierten Verfahren © Jürgen Bendszus 2010
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