Menschen, die früher ihre
Arbeit gern gemacht haben, aber dann durch die Arbeit nach einer
Zeit, vielleicht erst nach Jahren, immer mehr diese Belastungen
erleben, sind burnout-gefährdet. Burnout ist ein
Erschöpfungssyndrom mit körperlichen, emotionalen,
psychosozialen und geistigen Symptomen, unter denen Menschen
leiden.
Burnout stellt sich schleichend,
unbemerkt ein. Nach einer Zeit übermäßiger Belastungen am
Arbeitsplatz ist anfängliche
Arbeitsfreude in Gleichgültigkeit, dauerhafte
Motivationslosikeit, innere Kündigung und sozialen Rückzug
umgeschlagen: "Die Batterie ist leer". Man denkt, Burnout sei
eher das Leiden der unermüdlich im Stress stehenden Manager.
Gefährdet sind grundsätzlich alle Berufsgruppen, auch Frauen, die in der Familie über lange Zeit kranke und
pflegebedürftige Angehörige versorgen. Besonders gefährdet sind
die Angehörgigen sozialer und medizinischer Berufe:
Krankenschwestern, Ärzte, Seelsorger oder Lehrkräfte. Wer unter
Burnout leidet, sollte aktiv Gegenmaßnahmen treffen! Denn
Burnout führt langfristig zu körperlichen und seelischen
Schäden, auch zu Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.
Wo liegt der Unterschied
zwischen Stress und Burnout?
Die Krankheitssymptome für
Burnout sind die
Folge eines häufig jahrelangen körperlichen und seelischen
Anspannungszustandes und "Alarmzustandes" durch Überforderung im
Beruf, zu viele private Verpflichtungen und den Mangel an
genügend Erholungsphasen. In der Burnoutphase kann die
Anspannung selbst in Urlaubszeiten nicht mehr herunter reguliert
werden. Die Blut-Werte für die Stresshormone Kortisol, Adrenalin
und Noradrenalin sind anhaltend hoch. Bei Burnout finden
sich Funktionsstörungen der HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse).
Allgemein anerkannt ist, dass Burnout die Erkrankung des endokrinen
und kardiovaskulären Systems verursachen kann. (So der Bericht von
Professor Hartmut Schächinger auf dem Mental Health Forum 2007) (2.)
Burnout und Depressionen
Erfahrungsgemäß haben mehr als 50 % aller Patienten
mit hohen Burnout-Werten in Tests zugleich eine depressive
Erkrankung. Es wird viele Menschen geben, die in
Wirklichkeit ursächlich
nicht an einem Burnout-Syndrom, sondern an einer Depression
erkrankt sind. Nicht immer wird von den Patienten der depressive
Anteil ihres Leides eingestanden, stattdessen werden "Stress"
und "Burnout" vorgeschoben. Das mag daranliegen, dass es in der
Öffentlichkeit leichter ist zu sagen, man leide unter Stress
oder Burnout, während die Depression gesellschaftlich immer noch
stark tabuisiert und stigmatisiert wird. Deshalb blieb der bekannte Torwart Robert
Enke mit seiner Depression unverstanden bis zum Ende seines
Lebens allein. Mit dem Wort "Burnout" kann man ausdrücken, dass
man zu den Tüchtigen und Leistungsträgern der Gesellschaft
gehört und nur vorübergehend durch seelische Probleme
ausgebremst ist. Dagegen ist mit dem Begriff "Depression" eine
in ihrem Ausgang unberechenbare Krankheit assoziiert. Da eine
Depressionsdiagnose in der Regel in der Praxis eines
Nervenarztes und Facharztes für Psychiatrie gestellt wird, kann
in den Betroffenen das Gefühl entstehen, auf einer Ebene mit
anderen Patienten mit schweren stigmatisierten seelischen
Erkrankungen zu stehen.
Die meisten Mediziner bezweifeln
gegenwärtig noch, dass Burnout überhaupt ein primäres eigenständiges
Krankheits-Phänomen ist. In der medizinischen Praxis wird Burnout
daher von Psychotherapeuten und Ärzten zumeist als
"Erschöpfungsdepression", Anpassungsstörung oder "Major Depression"
eingestuft.
Bei ausgeprägter Burnout-Symptomatik sollte
daher durch einen Psychotherapeuten oder Arzt eine
Differenzialdiagnose vorgenommen werden. Hier ist zu klären, ob
das, was der Patient "Burnout" nennt, nicht in Wirklichkeit als eine depressive Störung
zu diagnostizieren ist. Geklärt werden sollte
auch, ob primär eine Schlafstörung oder Angsterkrankung im
Hintergrund der scheinbaren Burnout-Problematik steht. - Aber
auch, wenn man sich allein körperlich krank und beschwert fühlt und
gar nicht an Burnout gedacht wird, kann im Hintergrund Burnout und
Depression stehen. Die Depression wird von den Betroffenen oft
nicht erkannt, weil sie sich im Gewand körperlicher Störungen
verstecken kann.
| Zusammenfassung: Was ist Burnout?
Burnout sollte , solange
wissenschaftlich nicht geklärt ist, dass es ein
eigenständiges Krankheitsphänomen ist, so beschrieben
werden:
Burnout ist eine
überwiegend depressive Störung, die durch
fortwährenden seelisch belastenden Stress durch die Arbeit
entsteht.
Wenn die Mechanismen der Stressbewältigung nicht mehr
funktionieren, entstehen die oben beschriebenen Burnout-Symptome.
Burnout entsteht, wenn die Anforderungen in einer Arbeitssituation
größer als die persönlichen Bewältigungsmöglichkeiten sind, also
durch Überforderung.
|
|
Fallbeispiel zur
Entstehung von Burnout:
Einige Wochen vor dem Ende eines anstrengenden Schuljahres. Eine
Lehrerin in einer Grundschule wird durch die vielen sozialen
Verpflichtungen überfordert: Weil eine Schulinspektion bevorsteht,
häufen sich die Konferenzen. Zugleich muss ein Elternabend
vorbereitet werden, auf dem kritische Eltern von der Lehrkraft die
Darstellung ihrer Lehr-Methoden erwarten. Außerdem steht eine
Klassenfahrt bevor, die die Lehrerin mit verschiedenen Eltern
vorbereiten soll. Am Ende des Schuljahres steht ein Sommerfest, das
die Lehrkräfte mit den Eltern gestalten sollen. Hinzu kommt,
dass diese Lehrkraft als Mutter durch ihr seit Wochen krankes
eigenes Kind zu Hause besonders beansprucht wird. In diesen Wochen
hat die Lehrerin kaum Zeit zum Entspannen, Schlafstörungen stellen
sich ein. - Dann kommen die Sommerferien. In den ersten Ferientagen
ist die Frau völlig apathisch, sie kann die Ferientage nicht
genießen.
(Das Beispiel ist idealtypisch konstruiert, dürfte sich aber in der
Realtät tausendfach finden lassen)
Warum kommt die eine Lehrkraft ganz
gut mit hohen Anforderungen im Beruf zurecht, eine andere aber
nicht? Bei der hier beschriebenen Lehrkraft setzen wir ein hohes
persönliches Engagement voraus. Zugleich braucht diese Lehrerin
aufgrund ihres Persönlichkeitstypus viel Anerkennung, die ihr die
kritischen Eltern aber versagen. Das setzt sie unter emotionale
Anspannung. Schließlich kommt eine dritte Bedingung hinzu, durch die
sie sich in der Schule emotional verschleißt: Sie hat Probleme mit
der Regulierung von Nähe und Distanz. In ihren sozialen Kontakte und
Beziehungen öffnet sie sich zu sehr mit ihrer ganzen Person,
"nimmt sich alles zu Herzen" und kann innerlich schwer von
belastenden Situationen wie einem Elternabend emotionale Distanz
gewinnen. So nimmt sie die Probleme mit nach Hause und kommt nur
schwer zu innerer Entspannung. Auf Dauer zermürbt ein solcher
Kontaktstil einen Menschen, dessen Beruf im Kern die Gestaltung von
sozialen Beziehungen ausmacht. (1.)
Wenn ein Patient sagt, er habe ein
"Burnout-Problem", kann sich hinter den Symptomen jedoch auch eine
ganz andere Depression verbergen, die ursächlich nicht durch
Überforderung in der Arbeitswelt begründet ist. Daher gebe ich die
folgende Übersicht über Depressions-Typen. Zwischen Burnout und
anderen Depressionen kann es Beziehungen und Wechselwirkungen geben!
Depressionen haben ganz unterschiedliche Ursachen:
In der Psychiatrie und
Klinischen Psychologie gibt es die folgenden 3
Depressionsformen:
A) Psychogene Depressionen -
Depressives Erleben aufgrund frühkindlicher Traumatisierung,
unverarbeiteter Verlusterlebnisse, unverarbeiteter Konflikte mit
Bezugspersonen, nicht ausgeheilter seelischer Verletzungen (z.
B. nach Trennung vom Lebenspartner), Erschöpfungsdepression
(verwandt mit Burnout!) - Beispiel:
Menschen, die ungewollt und ungeliebt von den Eltern zur Welt
kommen, können eine depressive Persönlichkeitsstruktur
entwickeln und leiden häufig an zu geringem Selbstwertgefühl.
Sie sind auch als Erwachsene leicht kränkbar und verletzbar. Man
kann gut nachvollziehen, dass diese von ihrer Persönlichkeit
depressiv gestimmten Menschen in unfreundlichen Arbeitsfeldern,
wo es trotz hoher Arbeitsbelastungen zu wenig Anerkennung und
menschliche Wärme gibt,
besonders empfindlich und mit Stressgefühlen und langfristig
mehr als andere mit Burnout reagieren können.
B) Endogene Depressionen - Hierzu
zählen in der klinischen Fachsprache die uni- und bipolaren
affektiven Psychosen, lavierten vegetativen Depressionen und
schizoaffektiven Psychosen. - Aufgrund der Vulnerabilität der
Menschen mit diesen Belastungen kann man vermuten, dass auch sie
in belastenden Arbeitssituationen leichter mit Stress und
Burnout-Syndromen reagieren. Umgekehrt können belastende
Arbeitserfahrungen, die mit Konflikten und Spannungen im Betrieb
verbunden sind, den Gesundheitszustand verschlechtern und diese Depressionen
auslösen.
C) Organisch oder körperlich
begründbare Depressionen - Hierzu zählen Depressionen aufgrund
von Medikamenteneinnahme, aufgrund von metabolisch-endokrinen
Störungen (z. B. Anämien, Diabetes mellitus),
Infektionserkrankungen, Tumoren und weiteren Erkrankungen.
Wenn Menschen an einem Burnout-Syndrom klagen, ist deshalb immer in
Erwägung zu ziehen, dass die Beschwerden ursächlich nicht mit
der Arbeit zusammenhängen können, sondern durch eine andere
Grunderkrankung ausgelöst wurden. Eine Untersuchung durch einen
Arzt oder eine Ärztin
ist daher sehr zu empfehlen!
Lesen Sie weiter:
Quellen/Literatur zur Vertiefung:
(1.) Mehr zum Thema: Zeitschrift "Psychologie
heute", Heft 1, Jan. 2004: Burn-out bei Lehrern
(2.) Tagungsbericht vom Mental Health Forum 2007 von Beate Schulze (im Internet)
(3.) "Ausgebrannt. Das überforderte
Ich". In: Der Spiegel Nr. 4/24.1.2011
© 2010 Dipl.-Päd. Jürgen Bendszus,
HP für
Psychotherapie
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